Hannah FischerVIEW PROFILE →
Krypto per Depot: Wie die ING Deutschland Millionen Anlegern den Zugang ohne Wallet öffnet
Rund 50 Krypto-ETPs auf Bitcoin, Ethereum, Solana und XRP, handelbar über das normale Depot und ganz ohne Wallet: Wie die ING Deutschland regulierten Krypto-Zugang für Millionen Privatanleger schafft und was das kostet.
Kryptowährungen galten lange als etwas für technikaffine Enthusiasten mit komplizierten Wallets und kryptischen Passwörtern. Doch das ändert sich gerade grundlegend, denn immer mehr klassische Banken holen die digitalen Vermögenswerte in die vertraute Welt des ganz normalen Wertpapierdepots.
Ein besonders prominentes Beispiel für diesen Wandel liefert die ING Deutschland. Die Direktbank hat den Handel mit sogenannten Krypto-ETPs geöffnet und macht den Einstieg damit für ein Millionenpublikum so einfach wie den Kauf einer gewöhnlichen Aktie. Wir schauen uns genauer an, was dahintersteckt.
Krypto ganz ohne Wallet
Der vielleicht größte Vorteil des neuen Angebots ist zugleich der einfachste von allen. Nach Angaben aus Branchenberichten können Kundinnen und Kunden die Krypto-Produkte direkt über ihr bestehendes Wertpapierdepot handeln, ganz ohne eigene Wallet und ohne die gefürchteten privaten Schlüssel selbst verwalten zu müssen.
Konkret bietet die ING den Berichten zufolge seit dem 2. Februar 2026 rund fünfzig physisch besicherte Krypto-Produkte an. Abgedeckt werden dabei die großen Namen wie Bitcoin und Ethereum, aber auch Solana und XRP sowie ganze Körbe und verschiedene kleinere Kryptowährungen aus der zweiten Reihe.
Was ETPs eigentlich sind
Doch was genau verbirgt sich hinter dem etwas sperrigen Begriff ETP? Grundsätzlich handelt es sich um börsengehandelte Produkte, die den Kurs einer Kryptowährung nachbilden und dabei physisch mit der jeweiligen Währung hinterlegt sind. Der Anleger hält also nicht die Münze selbst, sondern ein Wertpapier darauf.
Der entscheidende Reiz liegt vor allem in der Vertrautheit dieses Weges. Statt sich auf einer neuen Krypto-Börse anmelden zu müssen, kaufen und verkaufen Anleger diese Produkte genauso wie einen Fonds oder eine Aktie, eingebettet in den regulierten Rahmen des europäischen Wertpapierhandels.
Die Konditionen im Blick
Auch beim Preis zeigt sich die Bank durchaus offensiv. Nach den vorliegenden Informationen ist die Ausführung bei Orders ab eintausend Euro kostenlos, da die Emittenten diese subventionieren, während für kleinere Aufträge eine Pauschale von 3,90 Euro anfällt. Automatische Sparpläne sollen sogar komplett gebührenfrei sein.
Eine gewaltige Reichweite

Warum dieser Schritt so bedeutsam ist, zeigt ein Blick auf die schiere Größe des Anbieters. Den Berichten zufolge zählt die ING Deutschland rund 3,2 Millionen Wertpapierdepots mit einem Volumen von 134,6 Milliarden Euro und gehört mit über neun Millionen Kunden zu den größten Privatkundenbanken des Landes.
Wenn eine Bank dieser Größenordnung den Krypto-Zugang so niederschwellig gestaltet, kann das den gesamten Markt spürbar verändern. Millionen von Menschen, die bislang vor den technischen Hürden zurückschreckten, erhalten damit auf einen Schlag einen einfachen und regulierten Weg in die Welt der digitalen Vermögenswerte.
Der oft unterschätzte Steuervorteil
Für deutsche Anleger kommt ein weiterer, gern übersehener Aspekt hinzu. Nach dem Einkommensteuergesetz, konkret dem Paragraphen 23, sind private Gewinne aus solchen physisch besicherten Produkten nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfrei, was sie für langfristig orientierte Sparer besonders interessant macht.
Nicht ohne Risiken
Bei aller Euphorie sollten Anleger jedoch die Risiken keinesfalls ausblenden. Ein ETP macht die zugrunde liegende Kryptowährung nicht weniger schwankungsanfällig, und die teils heftigen Kursstürze der Vergangenheit können sich auch in diesem neuen, regulierten Gewand jederzeit wiederholen.
Hinzu kommt, dass einzelne Produkte auf kleinere Währungen an den Börsen oft nur sehr dünn gehandelt werden. Wer investiert, sollte sich daher genau informieren und grundsätzlich nur Geld einsetzen, dessen möglicher Verlust nicht die eigene finanzielle Existenz bedrohen würde.
Ein Signal an den Markt
Losgelöst vom einzelnen Angebot sendet dieser Schritt ein durchaus starkes Signal. Wenn etablierte Häuser gemeinsam mit spezialisierten Anbietern wie VanEck oder Bitwise solche Produkte auflegen, verliert die Kryptowelt endgültig ihren Ruf als reine Nische und rückt weiter in die Mitte des Finanzsystems.
Getragen wird diese Entwicklung nicht zuletzt vom klaren europäischen Regelwerk MiCA, das für Vertrauen sorgen soll. Ob Krypto per Depot am Ende die große Anlegerrevolution wird, bleibt offen, doch der Weg dorthin ist für Millionen Deutsche gerade deutlich kürzer und einfacher geworden.






